Geotainment mit Jugendlichen – Medienpädagogische GPS Mission

Für einen Artikel in der Zeitung MEdien ERziehung wurde ich gebeten  über die „Medienpädagogischen GPS Mission“-Workshops zu berichten. Solche Anfragen nimmt man gerne zum Anlass das Projekt mit etwas Abstand noch einmal zusammenfassend zu beschreiben. Kurz: Zwei Gruppen von Jugendlichen erstellen je eine virtuelle Schnitzeljagt und testen dann die jeweils andere.

Anfang 2010 haben Marike Schlattmann und ich zum ersten mal die „Medienpädagogische GPS Mission“ durchgeführt. Beim Geocatching Camp wurden wir gebeten das Projekt im kleinen Rahmen zu wiederholten und über das Projekt zu berichten. Hier die Slides:

Zusammenfassung des ursprünglichen Projektes:

Im Medienpädagogischen Projekt “GPS-Mission” haben 21 Kinder und Jugendliche aus Münchner Jugendeinrichtungen im Alter von 9 bis 15 Jahren das Konzept von GPS-Missionen kennen gelernt. Im Gegensatz zu herkömmlichen GPS-Schnitzeljagden nutzt es die kostenlose Webseite und Onlinecommunity GPSMISSION.COM zum Erstellen von Missionen, die mit Smartphones gespielt werden können.

  • Die Teilnehmer nutzen den Computer, Smartphones sowie das Web 2.0 kreativ.
  • Sie lernen ihre Umgebung mit neuen Augen zu betrachten: “Wie ließe sich dieser Ort/Gegenstand spielerisch für ein Rätsel nutzen?” So werden sie dazu motiviert sich mit dem Stoff von Schulfächern wie Mathematik und Geschichte zu beschäftigen.
  • Sie werden durch das Erstellen eines Spiels zur Reflektion über ihren Umgang mit Spielen angeregt.
  • Sie sehen die Möglichkeiten, aber auch die Gefahren der Neuen Medien (Datenschutz und Überwachung)

Die Medienpädagogen erklären die Funktionsweise der iPhone App.

Das Projekt bestand aus vier Teilen:

  1. Kennenlernen und Exploration: Zwei Gruppen mit je vier Teilnehmern spielen in der Umgebung der Jugendeinrichtung eine vorbereitete Probemission um sich mit dem Smartphone sowie den GPS-Missionen vertraut zu machen. Anschließend erkunden sie die Umgebung der Jugendeinrichtung und überlegen sich selbständig Rätsel, die sich im Idealfall auf die jeweilige Umgebung beziehen.
  2. Erstellen der Mission: Die Gruppen kehren in die Jugendeinrichtung zurück und erstellen jeweils eine GPS-Mission mittels der Webseite GPSMISSION.COM. Dabei lernen die Teilnehmer den Umgang mit der GPS Technologie kennen, recherchieren, wenn nötig zusätzlich online, über den Ort, an dem die Schnitzeljagd stattfinden soll und nutzen den Computer kreativ, um die Mission und die enthaltenen Rätsel (z.B. Mathe- oder Bilderrätsel) zu erstellen. Begleitend wird das Verhalten in Communities thematisiert.
  3. In einem dritten Schritt läuft die Gruppe die GPS-Missionen, die von der anderen Gruppe erstellt worden sind, ab. Da jede Gruppe nur ein Smartphone hat, müssen die Teilnehmer nacheinander die Verantwortung für das Gerät und die Gruppe übernehmen und diese kurzzeitig führen. Im Ablauf der Mission lernen die Teilnehmer die reale Repräsentanz der virtuell erstellten Missionen kennen. Sie erfahren, dass die Webseite GPSMISSION.com “weiß”, wo sie sich gerade aufhalten.
  4. Zurück in der Einrichtung tauschen sich die Teilnehmer über die durchgeführten Missionen aus, diskutieren Verbesserungsvorschläge und überarbeiten die Missionen. Die im Projekt entstandenen Missionen können in Zukunft auch weiterhin von anderen gespielt und kommentiert werden.
    1. http://gpsmission.com/mission/17585695-UA-Rekrutierungstest-Süd
    2. http://gpsmission.com/mission/17728321-UA-Rekrutierungstest-Westend
    3. http://gpsmission.com/mission/17605409-UA-Mission:-„Ruhe-in-Frieden“
    4. http://gpsmission.com/mission/17606185-Kammer-des-Schreckens
    5. http://gpsmission.com/mission/17875087-Mission-14.12.1929
    6. http://gpsmission.com/mission/17876400-SchlumpfmissionMissionen 3, 4 und 5 wurden von den Teilnehmern erstellt.

Beim Erstellen der Mission

Das Projekt wurde im Jugendcafe Intermezzo an drei Nachmittagen, im Multikulturellen Jugendzentrum an einem Nachmittag und einem kompletten Samstag durchgeführt.

Die kreative Verwendung der neuen Technologie motivierte die Teilnehmer, stärkte aber auch ihr Selbstbewustsein, denn es wurde selbständig etwas technologisch Interessantes erarbeitet, das andere sehen und nutzen können.

GPS Mission eignet sich für die Nutzung in der Medienpädagogik, wenn auch der technische Aufwand 2010 noch recht hoch war. (Smartphones mit Internetzugang werden benötigt.). 2012 haben viele Jugendliche Smartphones mit Internetzugang.

Diese Mädchen waren mit dem Erstellen der Missionen noch überfordert. Daher haben wir zusammen mit ihnen eine altersgerechte „Schlumpfmission“ erstellt.

Damit das Projekt erfolgreich durchgeführt werden kann, sollten die Teilnehmer aber mindestens elf Jahre alt sein und von Anfang bis Ende teilnehmen.

Die Zusammenfassung des Projektes findet sich auch hier:

http://www.kooperationsprojekte-muc.de/?p=60

Die Entwicklung des Projektes „Medienpädagogische GPS Mission“ wurde finanziert von den „Mediengeldern“ der Stadt München

Nachspiel

  • Der Workshop wurde als ein Modul in das Projekt „Generationen im Dialog“ integriert. Hier wurden jung und alt durch aktive Mediennutzung zusammengebracht. Teilnehmer unter 20 und über 60 erstellten und spielten gemeinsam GPS Missionen. Unter anderem entstand hier die Mission „Enrico Lost„.
  • Eine Gruppe im MKJZ erstellte eine sehr bemerkenswerte Mission auf Basis eines realen Hintergrundes. Vor einigen Jahren soll es im Westend einen Mord an einer jungen Mutter gegeben haben. Die Örtlichkeiten (Arbeitsstelle, Kindergarten des Kindes…) wurden von den Jugendlichen in eine Kriminalmission eingebaut. Anders als im realen Leben wird die Frau aber durch das Lösen der Mission gerettet.
    Diese Mission wurde gemeinsam mit Ralph Glander von On-3-Radio während eines Interviews über mobile storytelling für die Radiosendung „Spielwiese“ gespielt.
  • Weitere mit meinem Haupt-Account erstellte Missionen http://gpsmission.com/user/Starkiller/missionsCreated
  • Weiterere Blog Beiträge zum Thema GPS Mission und generell zu Location Based Games
  • GPS Mission wurde inzwischen eingestellt. Mit Actionbound kann man aber ähnliche Projekte durchführen.

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