Merkel lässt in Minecraft Kühe fliegen, und das ist gut so.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die gamescom eröffnet und dabei auch am Minecraft Stand vorbei geschaut. Hier meine Einschätzung was das für die Medienpädagogik bedeutet.

Bei dem Besuch hat ihr der Lehrer Mirek Hancl und einer seiner Schüler vom Gymnasium Uelzen gezeigt wie man das Bohrsche Atommodell mit Minecraft vermitteln kann. Sie stellten aus Elektronen, Protonen und Neutronen Helium her, das sie in einen Ballon füllten. Den befestigte Merkel dann im Spiel an einer Kuh, die sogleich in die Luft schwebte und den Reichstag von oben betrachten konnte (31:50). Mirek Hancl hat die Unterrichtsstunde und Begleitmaterialien schon 2014 im Sinne des Gemeinschaftsgedanken als Open Educational Ressources veröffentlicht, so dass sie von anderen Lehrern genutzt werden kann.

Anschließend wurde Angela Merkel von einer Microsoft Mitarbeiterin die Minecraft Education Edition vorgestellt.

Minecraft war ursprünglich sehr offen angelegt, so dass es auf praktisch allen Systemen lief und es einfach war das Spiel zu modifizieren. Eine dieser Modifikationen aus der Community war MinecraftEdu, das von Lehrern für den Einsatz an Schulen entwickelt wurde. Nach dem Kauf von Minecraft und MinecraftEdu durch Microsoft hat der Konzern eine neue Entwicklungsrichtung eingeschlagen. Microsoft veröffentlichte eine neue Minecraft Version, die nicht mit alten Rechnern sondern nur mit Windows 10 und aktuellen Macs kompatibel ist. MinecraftEdu wurde eingestellt und nicht mehr verkauft.

Die neue Minecraft Education Edition ist an sich eine tolle Sache für den Einsatz in Schulen. Doch da sie auf der neuen Minecraft Version basiert, ist sie nur mit Windows 10 und Mac nutzbar. Beides habe ich in Deutschland in einer Schule noch nicht angetroffen, was ihrer Nutzung leider im Wege steht.
Doch auch mit Windows 10 und der Education Edition hätte man das eingangs gezeigte Beispielstunde zum Bohrschen Atommodell nicht durchführen können. Denn diese setzt die Modifikation „Advanced Chemistry“ voraus. Und Modifikationen gibt es bei der Education Edition (noch) nicht.

Die Präsentation verdeutlicht gut eine große Stärke von Minecraft: die aktive Community, die kostenlos Modifikationen, Karten und Unterrichtspläne erstellt. Und die Präsentation zeigt auch die große Schwäche der Minecraft Neuentwicklung für Windows 10 sowie die darauf basierende Education Edition, die genau diese Modifikationen nicht mehr unterstützt.

Nach der Präsentation wollte Angela Merkel wissen, wie Mirek Hancl ursprünglich auf Minecraft kam. Er hatte den Tipp von seinen Schülern und diese hätten es ihm erklärt. Daraufhin stellte Merkel fest, dass es wichtig wäre, dass nicht nur einzelne Lehrer „by chance“ auf solche Methoden stoßen sollten. Stattdessen wäre es wichtig, sie systematisch in das Schulsystem einzubringen und stellt (als hätte sie nur darauf gewartet 😉) folgende Punkte vor:

Sie will einen Pakt von Bund und Ländern mit drei Zielen:

  1. (Digitale) Anbindung der Schulen in ländlichen Räumen.
  2. Die Weiterbildung von Lehrern fördern.
  3. Die Einrichtung einer E-Cloud mit digitaler Lehrinhalten auf Bundesebene aus denen sich Lehrer Bildungsinhalte aussuchen können.

Die Vorschläge gehen in die richtige Richtung. Zumindest wenn

  1. die digitalen Anbindungen für Lernzwecke auch mit den Smartphones der SchülerInnen genutzt werden dürfen und deren Potential für die Lehre nicht weiter unterdrückt wird,
  2. die Weiterbildungen nicht nur für einzelne Tools umfasst in Richtung lebenslanges Lernen und Erwerben von Kompetenzen inklusive dem anerkennen und nutzen des Expertenwissens von SchülerInnen geht und
  3. die Lernmittel in der E-Cloud im Sinne von OER unter einer CC Lizenz gestellt werden und Kommentare und Modifikationen ermöglichen.

Angela Merkel schloss mit den Worten:

Wir sind es den jungen Menschen schuldig, da müssen wir drauf reagieren. Ich habe hier etwas gelernt und hoffe das andere noch schneller lernen.

Zum Abschluss eine kleine Anekdote: Microsoft hatte im Vorfeld den Minecraft Youtuber Castcrafter und mich gebeten für sie den Reichstag in Minecraft für die gamescom zu bauen. Stattdessen habe ich für sie den von der Community gebauten Reichstag (User: FreakyPotato) recherchiert, vor dem Angela Merkel dann die Kuh steigen ließ.

Es lebe die Power der Community.

Wer mehr zum Thema Games im Unterricht wissen will: Ein Artikel zum Thema erscheint am Montag im Bildungsteil der SZ (Link zum Artikel). Wer es nicht erwarten kann: 2014 habe ich auf der re:publica ein Interview gegeben, das ich so immer noch unterschreibe.

Update:

Dieser Blog Artikel hat in der Facebook Gruppe „Minecraft/Minetest und Bildung (für Lehrer/Pädagogen)“ eine recht kontroverse Diskussion bezüglich der Einstellung von MinecraftEdu zu Gunsten von Minecraft Education Edition ausgelöst. In der Diskussion habe ich folgenden Vorschlag gemacht:

„Alle, die Minecraft Education Edition abonnieren bekommen MinecraftEdu zur Nutzung für die gleiche Anzahl an Personen dazu.“
Zusätzliche Kosten entstehen Microsoft keine. Im Gegenteil: Auch für Schulen, die noch kein Windows 10 haben, macht es so Sinn in eine Minecraft Bildungsversion zu investieren.
Nebeneffekt: Dann klappt das auch mit dem Bohrschen Atommodell per Mod.

Den ganzen Verlauf der Diskussion finden sie in der Minecraft Gruppe auf Facebook. Gerne lade ich sie ein sich dort oder unten in den Kommentaren in diesem Blog an ihr zu beteiligen.

Update 2:

Ende November ist auf Golem und Zeit.de ein ausführlicher Artikel zum Einsatz von Minecraft in der Bildung erschienen.

Leider steht Microsoft Geschäftspolitik weiterhin einer Nutzung von Minecraft an Schulen, die nicht über Windows 10 haben, im Weg. Auch deswegen nutzen mehr und mehr LehrerInnen die kostenlose Open Source Variante Minetest, für die mit MinetestEdu auch eine Variante für Bildungseinrichtung entwickelt wird.

Lernspiele und Individuelles Lernen in der Schule

Bei der Auftaktveranstaltung „Lernen im Ganztag“ wurde ich um einen Vortrag zum Thema „Lernspiele und individuelles Lernen in der Schule“ gebeten.

Der Bitte kam ich natürlich gerne nach. Im Vortrag beschreibe wie sich meine persönlichen Lernerfahrungen auf meine Lehrmethoden ausgewirkt haben und gehe auf Lernspiele und individuelles Lernen in der Schule ein. Mit behandelt werden die (Lern)spiele Spielfieber, Ludwig und Minecraft sowie die Quest to Learn Schule. Hier meine Präsentation.

In bezug auf neue Schulkonzepte kann ich Quest to Learn empfehlen:

Snapchat Tipp: Abgefahrene Videos – Faceswap mit Dreamscope kombinieren

Wirklich abgefahrene Snapchat-Filter selber erstellen? Mit der kostenlosen Dreamscopeapp könnt ihr Bilder von euch durch total abgefahrene Filter jagen. Diese basieren auf dem Deep Dream Projekt von Google, dass die Frage stellt wie Computer träumen wurden. Die Bilder dann abspeichern und dann mit dem Snapchat Faceswap Filter kombinieren.
Fertig ist der animierte Deep Dream.
Snapchat Face Swap nutzen:

  1. Erweiterte Filter in den Einstellungen aktivieren
  2. Kamera auf Selfie Modus stellen
  3. Lange auf eigenes Gesicht drücken bis es erkannt wird
  4. Auf den letzten Filter (faceswap) gehen
  5. Dreamscope Bild einstellen

Wenn das Bild nicht auftaucht war es zu abgefahren für Snapchat. Und man kann ja noch einen drauf setzen. Denn man kann aus Snapchat ja einfach exportieren. Der erste, der ein Facebook Provilvideo über Prisma und Snapchat hinbekommt, kann sich ein Lightpainting bei mir wünschen. :-).

Achtung: Auf dreamscopeapp.com kann man alles hochladen und so finden sich dort auch nicht jugendfrei Sachen. Auf meiner dreamscopeapp.com/u/1000lights Gallerie gibt’s so etwas nicht.

In Teil 2 erklärt ein Wissenschaftler des Max Planck Instituts, wie Deep Dream funktioniert:

Mehr kreative Smartphone Tipps gibt es auf mobileclipfestival.de.
Mehr Snapchat Stories? Ich war gerade auf der Tincon und habe mit Licht gemalt und eifrig gesnappchattet. Die Stories lade ich noch hier hin: alighttoremember.de/tinlight.

Das Thema zieht Kreise:

https://twitter.com/Tracks_de/status/738717031583735808

re:game to re:learn. Minecraft auf der #rpTEN

Wie kann man Minecraft in der (politischen) Bildung einsetzen?
Präsentation auf der re:publica.

Links:

Die Session hätte eingentlich von Tobias Thiel gehalten werden sollen. Der wurde aber leider kurzfristig krank.

#rpTEN – republica – Tag 1

re:publica: Spannende Menschen, tolle Vorträge. Wieder ein bisschen schlauer.

Und da ich schon im DIY Workshop „Create Professional Video Content w/ your Smartphone“ saß habe ich gleich noch etwas DIY gefilmt. Genutzt habe ich dabei primär die App „Roadmovies“ bei der man beim Filmen direkt den Schnitt festlegt. Ein bisschen anspruchsvoller beim aufnehmen, und man kann im Anschluss fast gar nix mehr ändern. Aber damit ist der Film mit dem letzten Take praktisch fertig. Dabei kommt bestimmt nicht der beste Film aller Zeiten. Aber für so nebenbei schnell mit den Handy und gleich ins Internet finde ich es ganz ansehnlich.

Weitere Tipps zum Filmen mit Smarphones gibt es beim www.mobileclipfestival.de.

Und wer sein Smartphone Rocken will sollte man in meinem Appmusik Artikel schauen.

Games als Partizipationstools #git16

Partizipation mit Computerspielen? In meiner Session beim Gautinger Internettreffen haben wir uns unterschiedliche Beispiele angesehen, wie das gehen kann. Aber auch wo das Medium Computerspiele Partizipation nicht so einfach zulässt. Denn Computerspiele sind regelbasierte Systeme mit dem Computer als „Schiedsrichter“. Und mit dem Computer kann man nicht gut verhandeln um Regeln des Spiels an die eigenen Bedürfnisse anzupassen und so partizipativ das Medium mit zu gestalten oder es im Sinne von Partizipation zu nutzen.
Einen interessanten Weg geht die „Initiative Creative Gaming“. Sie bricht explizit die Spielregeln und „spielt“ mit den Spielen. Da wird das Ballerspiel zum Ballettanzen genutzt oder versucht hinter die Spielkulissen zu schauen.
Ein anderer Ansatz ist die Nutzung von Spielen, die wenige explizite Regeln haben wie zum Beispiel Open World Games. Diese simulieren ganze „Welten“ und in denen man mehr oder weniger frei bewegen und dabei die Welt subversiv zu eigen machen kann. Viele gelungene Beispiele für Partizipation bietet das Spiel Minecraft, das einem gar kein Spielziel vorgibt. Hier stelle ich einige Partizipationsprojekte vor, wie das UN Habitat Projekt „BlockByBlock“ oder der Wettbewerb Zukunftsstadt des Wissenschaftsministeriums.
Aber mit Computerspielen kann man noch weiter gehen, indem man Jugendlichen die Möglichkeit gibt selber die Regeln von virtuellen Welten zu erstellen und eigene Spiele zu entwickeln.

Mehr zum Thema in meiner Präsentation.

Katharina Blum hat ein sehr informatives und wunderschönes Storify zum Vortrag angefertigt, Danke!

Weitres von der Tagung im Storify.

Lightpainting und politische Kommunikation

2015 das Jahr des Lichts. Viele Konferenzen nehmen das Thema der Unesco auf. Auch die „International Conference on Communication and Light„.

International conference on Communication and Light

Ihr call for papers hat mich inspiriert Lightpainting unter dem Aspekt der (politischen) Kommunikation zu denken:

Lighting up the darkness, shooting energy balls, growing angel wings, leaving graffiti without trace … With the photo art technique „light painting“ you can create unbelievable images which you can use to communicate ideas in an exceptional way.
When you take a long exposure photo (10s+) in relative darkness you can paint with light like with a brush on canvas. In the session I discuss several topics connected to this technique which results in photos which look like computer generated while only using old photo tricks.
Already Picasso painted with light. Light painting is nothing new. But with the digital photo technology it has become much easier since you do not have to wait till the photos are developed giving you the possibly to correct the setup for your next picture.

Currently a second revolution shakes light painting scene. So far light painter were quite proud that their photos looked like they could only have been created with the use of computers (while actually modifying them in Photoshop and co. is actually frowned upon). But thanks to technical advances and Kickstarter campaigns, computer-controlled lights give the artists entirely new possibilities. With the www.thepixelstick.com you can simply „print“ any graphics in „real“ environments (samples). But do the additional opportunities weigh the loss of a part of the „analog“ touch of light painting?

Roughly 200 visitors of the re:publica 2015 set the light painting world record. www.1000lights.de/rp15

Another focus of the session is light painting and political communication. With the help of thousands of participants the speaker just set the light painting world record at the re:publica conference about digital society. Instantly after being taken the photo went trending on twitter, meaning it was the most talked on topic on twitter in Germany. With light painting you can involve people to paint their messages in thin air. You can draw a political message anywhere without leaving a physical trace. In guerilla lighting art performances this “jester’s license” is used to put a spotlight on neglected urban objects. Dark corners are “illuminated” giving evidence of a different reality.

During the session we discuss various techniques and applications for light painting. But additional to theoretical aspects we will go practical, dim the lights and make some photos ourselves. So bring lights (smart phones will also work). And if we are enough, we might even break the world record.

Update: My paper was accepted. Seems I am going to Portugal.

Meine Lightpaint Webseite: www.1000lights.de

Präsentation in Minecraft

Readme in Minecraft republica session rp15Für die unsere Minecraft Session auf der re:publica 15 am 5.5.2015 16:00-17:00 Sta-T haben wir uns etwas besonderes überlegt. Wir haben unsere Präsentation in Minecraft selbst umgesetzt. Weitere Infos auf meiner Seite zum Vortrag Minecraft:publica – Zukunftsstadt selbst gebaut.